An die Gäste meiner Geburtstagsfeier (60) im Knochenhauer Amtshaus Hildesheim:
Keinen kenne ich länger als meine Geschwister. Wie lange ich sie kenne, entzieht sich meiner Kenntnis. Was kennt man schon? Wieso?.
Weiß irgendjemand unter uns, seit wann er denken kann, seit wann er sich erinnern kann?
Wann nimmt man Geschwister wahr? Mit 3 Monaten? Mit einem? Oder schon vorher? Als was nimmt man sie wahr? Als Konkurrenz? Als Beipack im Gewitter? Als hilfreiche Stützen gegen böse Mitschüler?
Meiner Meinung nach hängt das vom Alter ab, vom eigenen Alter, versteht sich. Und nun räume ich auf: Das Langzeitgedächtnis verläßt einen ja nicht. --
Aber da ist nichts, an das ich mich nicht gern erinnern möchte. Ich weiß einfach nichts, was gegen meine Geschwister einzuwenden wäre. Typisch Erinnerungslücken. Nicht wahr? Siehe Langzeitgedächtnis. Nun, daß meine Schwester mich - mitsamt meinem Bruder- am liebsten aus dem Fenster geworfen hätte, das ist doch verständlich. Ein Beweis für gradlinige Entschlußkraft. Dem zuvorgegangen war zwar der Rauswurf aller kosmetischen Ballaststoffe aus eben demselben Fenster, aber das war ja nur die Vorwegnahme grüner Ansichten. Und nach Meinung unserer Helga waren wir ja mehr als grün. Wir: Mein großer Bruder und ich.
Immerhin, wenn der was wußte, hatte mein Gehirn Denkpause.
6 Jahre Abstand im Geiste, das macht friedlich. Mein Bruder vorneweg, und ich mit angemessenem Abstand (Sicherheitsgründe) hinterher. Ich habe damit nie negative Erfahrungen gemacht. Und wer nicht auf seinen Bruder hört, lernt die Gesetze der Polizei mit den eigenen Hufen abzuwetzen. Als Beweis (für Insider zum 2OO.mal): Unser Vater, unser Großvater, unsere Großmutter, unsere.. nein mehr war da nicht, eigneten einen Garten, einen schönen gepflegten, an Pflanzen reichen Garten. ln dem zu ernten es eine Lust war, wenn man sie hatte. Uns hatte sie zu sein. So kamen wir dann mit einem Eimer Träuble (auf gut schwäbisch Johannisbeeren) heim.
Zwar nicht direkt, aber fast. So hatten denn böse Buben auf dem Wege uns verführt, lieber dem Fußball nachzujagen, als das Obst heimzubringen. Doch spielten wir nicht Fußball irgendwo, sondern sehr literaturbewußt.
Wir spielten zwischen Lessing- und Goethestraße, was allerdings auf den Lärm keinerlei Einfluß hatte. So kam, was kommen mußte: die Polizei. Ball beschlagnahmt, die Mannschaft mußte antreten, im Gänsemarsch ab in Richtung Revier. Die Kleinen ganz hinten, was der Gehirngröße absolut entsprach. Ich also hinten. Mein Bruder vorne - was auch richtig war - deutete mit unmißverständlichen Hinweisen, daß ich den Ball zu nehmen und mich von der Bildfläche zu entfernen hätte. Nun wußte er allerdings damals noch nicht, daß der Staat in mir den vorbildlichsten aller Bürger vorfinden könnte. Jedenfalls habe ich das damals noch versucht. Also kein Fluchtversuch. Selbiges würde heute anders verlaufen.
Kurz und auch noch gut: Auf der Polizeistation (Generaldirektion Hildesheim) wurden wir geschockt und üblen Erpressungen ausgesetzt durch die Drohung, uns alsbald im tiefsten Kerker versinken zu lassen, wenn wir nicht in 5 Minuten zu Hause wären. Reine Laufstrecke mindestens 10 Minuten, aber ich glaube, wir haben geglaubt, in 5 Minuten zu Haus zu sein, und wir sind so gelaufen wie wir geglaubt haben.
Das hat noch eine Weile in unserer Jugend so angehalten. Wir haben noch so manches geglaubt. Ich habe z.B. geglaubt, daß mein Bruder sich unbedingt rasieren müsse, wenn er aus dem Krieg nach Haus kommt. Immerhin war er schon 17. Also hatte ich einen Rasierapparat organisiert. Zum Frieden gehört nun mal kein Bart! Bis man einen solchen Rasierapparat aber an den "Mann" bringt, vergehen Wochen. Helga und ich haben die umliegenden Kriegsgefangenenlager abgesucht, aber kein Erni. Schließlich hatten wohl die Besatzer ein Einsehen und haben die jüngere Garde – nach Ochtersum - freigelassen. Da hatten wir unseren großen Bruder wieder.
ln der Zwischenzeit mußten natürlich immer wieder einmal Johannisbeeren gepflückt werden. Und es begab sich zu der Zeit, daß meine Cousine Erika als guter Kumpel mit zum Garten kam. Sie trug sogar kurzfristig eine Lederhose, und auch sonst verteidigte sie unsere gemeinsame spielerische Freizeit dadurch, daß sie gelegentlich meinen Mitschülern erklärte, sie seien vorübergehend unerwünscht. Und die regelmäßigen Familienfeiern wurden genutzt, um entweder Kakao umzuwerfen oder unterm Tisch die Erwachsenen zu stören. Einmal probierten wir auch aus, wie lange hochgeworfenes weiches Knetgummi unter der Decke oben hängen bleibt. Leider haben wir diese Ergebnisse nicht mehr notieren können, ich glaube, wir wurden vorzeitig gestört. Unsere Mütter hatten vermutlich etwas dagegen, was Du, liebe Tante Henny, sicher bestätigen kannst.
Wenn ich mich richtig erinnere, gehörte es zu einer bestimmten Zeit zum Sonntagsritual, durch den Galgenberg zum Restaurant dort zum Frühstücken zu gehen, was uns Kindern, glaube ich, auch ziemlich langweilig war, weshalb wir oft die Benutzung des Hauptweges vermieden, was wiederum zu Ermahnungen führte. Oder war das gar nicht so streng? jedenfalls hättest Du, Tante Henny, am meisten aufzuschreiben, weil Du die meisten Erfahrungen hast. Hast Du etwa schon Deine Memoiren geschrieben?
Eigentlich weiß ich gar nicht, was meine Schwester in der Zeit angestellt hat. Das war wohl für mich eine andere Epoche. Sie wird es anders sehen. Kleine Brüder sind wie junge Hunde, sie kleffen dauernd, sind immer da, wenn man sie nicht brauchen kann, und sie pinkeln die falschen Leute an.
Jedenfalls hat man mit Geschwistern zu tun, und eigentlich wird man ihnen nur in den Memoiren gerecht. Das werde ich vielleicht nachholen.
Mit den Geschwistern kommen natürlich die "Angeheirateten". O, Achim; was können Brüder doof sein. "Nein, meine Schwester kann heute nicht 'runterkommen, sie hat ........", Mann, das hätte man nicht sagen sollen als ungare Ausgabe eines Halbentwickelten. Aber in dem Alter ist man ehrlich, und man hat ein Recht darauf zu verteidigen, was andere Männer zu bedrohen scheinen. Helga war die Schwester und man weiß als Bruder, was zu tun ist:
Orientalische Überwachung über die Moral der eigenen Schwester, was Hinterherschleichen zu einer unvermeidbaren Pflicht macht. Wer weiß, was sonst aus Schwestern wird!
So also habe ich Achim kennengelernt.
Ich muß ziemlich dämlich ausgesehen haben, als ich merkte, daß Achim ein richtiger Kumpel war. Natürlich war man inzwischen älter und klüger! Eine Erfahrung, die unvermeidbar ist.Und was wir dann alles zusammen erlebt haben. Auch ein Kapitel für die Memoiren. Schließlich haben wir hier - leider - kein Seminar für 3 Tage, sonst
wäre jetzt Zeit zu erzählen.
Dieses war der erste Streich der Geschwistervermählung, doch der zweite sollte nicht lange auf sich warten lassen.
Ich kann mich nicht erinnern, daß es je zum Stoff der Schule gehört hätte, über die Vermählung älterer Geschwister nachzudenken. Wenn solches in der Ferne geschieht, wie bei Helga und Achim in Trier, dann hat das etwas Exotisches und Unrealistisches, zunächst. Aber In Hildesheim, an Ort und Stelle, richtig handgreiflich und mit kaputtem Geschirr, das geht unter die Haut, unter der
auch noch manch anderes verborgen war.
Also haben wir Polterabend gemacht und Hochzeit gefeiert und geschwitzt und dann haben wir die Tochter ausgefahren. Nun, aber eines vorweg, die Mutter, unsere Inge, hatten wir schon vorher gekannt, aus unserer Fußballstraße. Außer uns spielenden Rabauken haben da nur feine Leute gewohnt, die gute Beziehungen zur Polizei hatten. So z.B. ein Banker, mit seiner Villa. Kein Verständnis dafür, wenn wir den Hausmeister ärgern wollten, obwohl der immer darauf angesprungen ist.
Also, daß unsere Inge dann dazu gehörte, war eigentlich ganz normal, was ebenso für ihre Geschwister galt, man kannte einander ja sowieso, durch jugendgruppen, Singkreis und und.
Nun gilt es, die gemeinsame Klammer zu beschreiben, die das Töchterchen Angelika des großen Bruders mit meiner Jugendrippe verbindet. Als wär's ein Teil von mir, so war Klaus in der Schulzeit und auch danach nicht aus meiner Gedankenwelt zu lösen. Angelika in ihrer Karre oder ihrem Wagen machte sich wohl ähnliche Gedanken und rief heiteren Gemüts: "Papa, Papa". Im Wegsehen und ´die Karre demonstrativ seitlich am ganz langen Arm Führen´, waren wir nicht zu übertreffen. Wenn uns einer gesehen hätte!!! Oder schlimmer: eine! Und vielleicht noch die, welche! Nie wieder!
Nun, Angelika ist aufgewachsen, ohne daß Klaus und ich hätten eingreifen müssen, darum ist aus ihr auch etwas geworden.
Klaus hat dann aber bei Besuchen in Hamburg immer wieder versucht, aus mir einen Menschen zu machen. Ich habe sehr viel später festgestellt, was daran richtig wahr. Vielleicht tag es an den unterschiedlichen Studienrichtungen. Klaus hat Fundamentales zu verstehen versucht, bei mir waren es vielleicht mehr die Fundamentalisten. Bergbau und Jura sind doch sehr unterschiedlich, aber darüber hatte mich niemand aufgeklärt. Und der Zustand dauert an. jedenfalls - und diese Formulierung zeugt schon von der Unfähigkeit, bestimmte Zusammenhänge zu beschreiben - gibt es aus solchen Zeiten gemeinsam abgesessener Schreckschulstunden eine Verbindung, die im Unterbewußtsein stärker verankert ist als in der Realität.
Immerhin ist die Erziehungskunst meines Freundes Klaus durch nichts zu übertreffen. Sprechblasen der MacDonald-Generation im Alter von 6 Jahren sind farblos gegen die seiner Kinder.
"Eintiich hinfahren" bedeutet umgesetzt in die Erwachsenensprache: "Wohin fahren wir jetzt eigentlich?"(Zucker holen für Cider!!). Und "Bist Du denn wahnsinnig geworden" hätten wir umgesetzt in "Mein lieber Vater, ich habe jetzt genug gegessen und bin satt, Du brauchst mir nichts mehr auf den Teller zu legen."
Bei diesen Erziehungskünsten brauchte ihm allerdings Maria nicht mehr zu helfen, die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus, und Maria hat selbst in die Ehe ausreichend Erziehungsmasse eingebracht, Maria hat mit Kindern und Kindeskindern so viel Erfahrungen, daß wir meinen, solche Erfahrungen müssen jung erhalten, jedenfalls sind Maria diese Erfahrungen nicht anzusehen, was sie selbst sicher oft genug schelmisch ausnutzen wird, wenn sie andere mit ihrer stolzen Kinderzahl verblüfft. Kinder - Gedankenstrich – Schule.
Schule, unsere, aber neben der Schule war auch noch etwas. Die Jugendgruppen. War das ein langer Weg von den Pimpfen zur Evangelischen Jungenschaft. Eigentlich eine Episode, die durch die alte ehrwürdige Aula des Andreanum führte - ich hätte diese "Anstalt" ja nie zu sehen bekommen; vielleicht aber wollte ich deswegen - und nicht nur, weil der Bus dahin fuhr - zur Scharnhorstschule, und nicht ans Andreanum. Man muß wissen, daß die
meisten Hildesheimer Schulen nur noch auf dem Papier existierten. Ein paar Gebäude gab es noch, die dann unter allen Schulen aufgeteilt wurden. Hohnsenschule - die erste -: in der Nähe wohnten Janßens, selbst ausgebombt und dorthin verschlagen. Moltkeschule war schon näher, meine ehemalige Volksschule. Nachmittagsunterricht wie gehabt, seit sieben Jahren.
45/46 haben wir Kriegsgefangene dort versorgt, deutsche, mit Tubenkäse und Fluchthilfen, auch ein Kapitel für die Memoiren. jedenfalls haben die Besatzungstruppen alle Schulbänke verbrannt, was uns nicht mißfiel. Aber worauf wir dann saßen in den jahren danach, weiß ich wirklich nicht mehr, Kiausl!! Weißt Du es?
1949 war Konfirmation. In der katholischen Kirche. Das entsprach der Tradition unserer Mütter.
Immer noch kein Bezug zur Kirche. Dann aber in der Lessingstraße (Szenen einer Alltagsjugend) kam die Frage. " Fährst Du mit ins Lager"? ????
Ich bin. Mehr aus Zufall.
Und das war dann sechs Jahre lang meine zweite Schiene neben der Schule. Die Evangelische Jungenschaft (Heinrich von Plauen): Das war die Zeit der Wanderungen, Fahrten, Lager. Aus der Zeit stammt die Freundschaft mit Rudi. Wir hatte sogenannte Kreise, den älteren (in dem war Erni), den mittleren (das war meiner) und den jüngeren.
Diese Kreise machten Fahrten, gemeinsam oder auch getrennt. Bei einer getrennt-gemeinsamen Wanderung über den Schwarzwald, stieß Rudi zu unserer Gruppe, deren Kern zum Bazillenclub wurde; Rudi wurde prompt Bazille e.h.. (Achim später Gast-Bazille). Dieser Bazillenclub war jahrelang eine feste Truppe, heute ist die Verbindung locker bis nicht vorhanden, und nur mit Rudi klappt die Verständigung noch prima. Nun ist natürlich auch Gesine dabei, was damals nicht der Fall war. Nicht daß wir Gesine erst durch Rudi kennengelernt hätten, nein, Gesine gehörte schon früher dazu, eben nur nicht zu den Bazillen, verständlicherweise. Wir hatten hier in Hildesheim ja Aktivitäten unterschiedlichster Art, bei denen der Teilnehmerkreis je nach Interesse immer wieder wechselte. Volkstanz bei Erni, Theater beim Stadttheater und selbst gemacht (richtige Laienspiele, oft), Sport mit unserem theologischen Gruppenleiter usw. Leider sehen wir uns, liebe Gesine und lieber Rudi, dann doch nicht oft genug, um die Erinnerungen der frühen Jahre wieder zu festigen. Ich vergesse dann doch wieder so manches. Erni und Inge wissen dann auch wieder vieles, was ich vergessen habe und umgekehrt. Wenn man es nicht seinen Kindern erzählt, ist es eines Tages weg. Oder, Angelika, haben sie Dir nichts erzählt?
Noch etwas zu Angelika:
Die wichtigsten Stationen meiner lieben Nichte waren eigentlich die, an denen ich eine Änderung ihrer Äußerung auf provozierende Bemerkungen feststellen
konnte. Zu Beginn der Jungmädchenzeit erfolgte ein musikalisches "Püiii". Es änderte sich dann zügig in "Püii ", kürzer, prägnanter, aber etwa vorwitzige kleine Tränen blieben aus. Mann, was sind die Erwachsenen gemein. Nun, das hat sich alles gegeben, es hat nicht lange gedauert, und das "Onkelchen" mußte bei herzlichen Umarmungen Rippenbrüchen vorbeugen, den eigenen, versteht sich. Also, die "Püii"-Zeit ist lange vorbei. Sicher hat Norbert viel dazu beigetragen; mit abgeklärtem sachlich kommunal geschultem Zahlensinn hat er den Ausgleich geschaffen, der verhindert hat, daß bei Angelikas Kochkünsten - die unbestritten, weil gekonnt, sind - die Pfannkuchen beim Wenden in der Luft blieben; bislang haben sie alle wieder in die Pfanne zurückgefunden, was schließlich auch dem Sohn, unserem Björn zugute kam. Daß er die Wachstumsjahre in jedem Sinne gut überstanden hat, ist nicht zu übersehen. Wir haben als "entfernte" Verwandte nicht viel dazu beitragen können, außer ein paar meteorologische Erkenntnissen. Irgendwann war er mit Angelika in Iptingen; und wir hatten Hochnebel. jedenfalls war das einzige Wort, das Björn aus Iptingen mitnahm "Hochnebel", Hochnebel ist immerhin wertvoller als Tiefnebel, also eine wirkliche Bereicherung.
Heute treibt er Ruder- und anderen Sport, und er wird sich sicher für das Wetter aus diesem Grund noch sehr interessieren.
Gerudert haben ja in der Schule auch, nein, wirklich im Vierer mit Steuermann, 6Oer-Schlag und andere Kraftanwendungen. Auf dem hiesigen Kanal. Für Nichthildesheimer: Das war nicht der städtische Abwasserkanal, sondern der Stichkanal zum Mittellandkanal, nicht Mittelmeerkanal, aber so ähnlich; es kam eben selten ein Dampfer vorbei. Und da fällt mir ein: Ich bin wirklich froh, daß ich seinerzeit dem Rudersport gefrönt habe. Eigentlich wollte ich ja alle Urkunden mitbringen und hier aushängen (deshalb war der Gildesaal vorgesehen), aber hier im Gewölbekeller haben wir nicht genug Platz. Nein, wenn ich mir vorstelle, man hätte auf mich eingeredet, ich hätte Eiskunstlauf machen sollen!! Ich hätte das abgelehnt, obwohl ich viele Qualitäten dafür gehabt hätte. Ich wäre aufrecht gegangen, hätte beim Bewegen auch gelächelt (haben wir bei Erni in der Volkstanzgruppe auch gelernt), elegante Bewegungen hätte ich auch vorgetäuscht, und bei der Siegerehrung mit der Deutschland-Hymne hätte ich sicher auch Tränen vergossen, aber es gab eben ein Handicap: ich kann gar nicht eislaufen, und ich weiß das,Gruppenleiter usw. ßß??????????????????????????
das ist der Unterschied. Zwar sind wir auf dem Kalenberger Graben mit Schlittschuhen herumgelaufen, aber zum Eiskunstlauf hätte das nicht gereicht. Eher schon zum Rauhlaufen von Fußwegen.
Boxer hätte ich werden können, ja, das hätte mir Spaß gemacht. Vorne so große Handschuhe wie das Gehirn vom Gegner. Das habe ich später im Beruf oft gedacht; aber ich glaube, mir wären die Handschuhe zu schade gewesen, irgendwo mit so teurem Leder auf irgendetwas herumzuhauen. Es ist einfach schwierig mit der Berufswahl. Es gibt aber Menschen, die helfen einem dabei. Die sagen einem glatt, was man machen soll, und wenn man ihnen erzählt, wie man sich das dann vorstellt, halten sie einen für "net bacha", was im Schwäbischen soviel heißt, wie "nicht ganz gar". Damals traf das den Nagel auf den Kopf. Wir haben später mitbekommen, daß der Beruf Ministerpräsident oder König kein Lehrberuf ist (mit H in der Mitte), sondern etwas sehr Reizvolles, was man hat oder auch nicht. Das muß man entweder wollen oder heiraten, aber sonst hilft da nichts.
Nun, so bin ich dann, was ich bin; aber nicht ohne die, die heute abend hier sind. Und auch nicht ohne die, die heute abend nicht mehr hier sein können, ohne die aber nichts so wäre, wie es ist. Den Dank für vieles tragen wir in uns, eine Verpflichtung für andere.
Zurück zur Realität.
Zunächst hatte ich versucht, durch Abnabelung nach Hamburg den Erinnerungen an die Lehrer zu entkommen. Studieren ging damals noch ein bißchen anders als heute. Zwar war einiges noch billiger, aber dafür gab es weniger Stundenlohn. ln den Semesterferien bei der Stadt als Busschaffner brachte DM 1,21 in der Stunde ein. Dafür konnte man aber auch schon morgens um 5 Uhr die erste Fahrt zu den BOSCH-Werken betreuen. Bei ESSO in Hamburg gab es etwas mehr, und außerdem kostenlos Mittagstisch. Außerdem interessante Arbeit, außerdem liebe Menschen. Durch diese Arbeit habe ich Wolf Rössing mit seiner Charlotte kennengelernt. Liebe Charlotte, das ist mindestens 35 jahre her. Und immer sind wir in enger Verbindung geblieben. Haben Deine Kinder beim Erwachsenwerden erlebt und erleben heute deren Kinder von Zeit zu Zeit. Auch unsere gemeinsamen Erinnerungen würden ein Buch füllen. Auf Euch, auf Dich war immer Verlaß, so wie Du das in Deinem Beruf Tag und Nacht gewohnt warst. Iptingen war für Dich und Du für Iptingen selbstverständlich. Degernau mußt Du demnächst erforschen. Vor oder nach Deiner Winterpause auf Teneriffa. Morgen bist Du schon wieder auf dem Weg zu Deinen Kindern in Köln. Beweglichkeit ist eine Deiner herausragendsten Eigenschaften, weil alle Dich brauchen.
Ihr habt auch erlebt, wie die zarten Bande zu Helke immer konkreter wurden. Und Euch habe ich mein bestes Stück genauso vorgeführt, wie der Familie. Helke war damals ein Jahr in Bordeaux, und ich war bei Euch oft zum Essen.
Bei einer dieser Gelegenheiten habe ich dann gesagt, daß da jemand aus Frankreich käme, und ob ich diese jemandin mitbringen dürfte. Da habt Ihr natürlich gemeint, es käme eine Französin. Euch hat dann das gute Deutsch gefallen, das Helke an sich hatte. Immerhin was es eine lustige Aufklärung, und alles nur, weil ich einmal mehr nicht richtig geredet habe, zu wenig bis gar nichts, selten und unklar.
Ja, Hamburg hat mein Leben schon erheblich verändert. Als Allererstes natürlich durch mein Goldstück. Helke konnte nur deshalb als Französin mißverstanden werden, weil sie ein Stipendium vom Europa-Kolleg hatte, unserer gemeinsamen Studentenbleibe. Der Ursprung unserer Gemeinsamkeit.
Wie oft waren wir an der Elbe, die nicht weit vom Kolleg war. Na, diese Erinnerungen füllen nicht nur ein Buch. Und wir sind immer noch munter und gemeinsam dabei, Erinnerungen zu schaffen.
Zu den Hamburger Erinnerungen gehören auch die mit Suni und ihren Eltern. Hugo, Sunis Vater sollte heute auch dabei sein, aber er riskiert aus gesundheitlichen Gründen keine größere Aktion, wir müssen das akzeptieren. Aber an den Erinnerungen mit ihm und Deiner Mutter, Suni, kommen wir nicht vorbei. Du warst neun oder zehn, als wir uns kennenlernten. Deine Mutter war vorher schon in Hildesheim, da war ich vielleicht neun oder zehn, das wissen Helga oder Erni besser. Wir haben somit Deine stürmische Entwicklung, liebe Suni, ständig verfolgt, was glücklicherweise auch heute noch anhält. Noch in Hamburg haben wir dann auch Dieter kennengelernt, höflich uns Tee bereitend, obwohl Du nicht Haus warst, doch immerhin schon von der Verwandtschaft gehört habend - und da ist man vorsichtig. Was haben wir für ein Glück, daß unsere Verbindung nicht zerbröselt ist, nur weil da ein Partner dazu kam. Im Gegenteil, es war eine Bereicherung. jetzt sind wir räumlich einander näher, obwohl weiter auseinander als in Iptingen, aber zwischen uns und Baden-Baden liegt nur der Schwarzwald, und ich hoffe, das gemeinsame Fliegerhobby führt auch dazu, daß wir uns häufiger sehen.
Aber zurück zur Ausbildung.
Der Beruf hat mich gepackt von der rauhesten Seite. Mein erster Fall bei RA Dr. Eichberg in meiner Versuchslaufbahn war die Abwicklung des Konkurses eines Bauunternehmens in Göttingen, in dessen Verlauf der Gemeinschuldner seine Ehehälfte zum ewigen Schweigen brachte. Die Krimi-Sendungen mit dem Alten waren noch nicht populär, so daß man solche Mordtaten nicht einfach so "wegdrückte". Es gab der fidelen Ereignisse noch so manche, die so recht berufsfreudig machen. Deswegen habe ich mich dem realen Geschäft, dem Grund und Boden zugewendet. Und der Verzinsung aus solchem. So kam ich nach Leonberg. Aber halt, noch sind wir bei Göttingen, genauer: in Einbeck. Was hatten wir in
Einbeck zu suchen?
Wir brauchten nichts zu suchen, weil wir wußten, wo wer war. Unsere Schwester mit ihrem Achim, der dort in Ketten machte. Technisch gesehen. Also haben dort mit ihrer Hilfe unser Domizil gegründet und auch gleich geheiratet, starke Bindungen zu Einbeck. Am Markt, in dem sehenswerten Rathaus, liegen unsere Urkunden. Und gleich nebenan haben Eva und Günter gewohnt, jedenfalls eine Zeitlang. Über die Firma, in der Helke arbeitete, kam
die Verbindung zustande. Wir haben von Anfang an ein tolles Verhältnis gehabt, und auch längere Abstände haben keine Rolle gespielt, das gilt bis heute. Nun sehen wir uns wieder häufiger als früher, und im Rentnerkreis hoffen wir, daß das so bleibt. ln ihrer besagten Wohnung neben dem Rathaus hatten wir einmal ein eindrucksvolles Erlebnis. Zum einen waren die beiden uns weit voraus, was Einrichtung und Wohnung anging, zum ändern wüßten sie auch zu feiern. Diese eine ging bis zum frühen Morgen, die Vögel piepten schon gewaltig, der Blick auf die gegenüberliegende Kirche war leicht getrübt - nach einigen Feuerzangenbowlen -, die Stimmung bombig. Aber schließlich wollten wir uns auf den Weg machen zu unserer kleinen Wohnung am Berg, 20 Minuten zu laufen, oder?
Daß Günter uns anbot, uns mit dem Auto hinaufzufahren, wäre normalerweise nicht verwunderlich gewesen, aber in diesem Fall wäre die Durchführung des Angebots das Ende einer hoffnungsvollen Karriere gewesen: Günter war bei der Polizei. Glücklicherweise waren wir dann aber doch alle noch so nüchtern, daß wir ihm das ausreden konnten.
Von Einbeck ging es nach Leonberg, siehe oben, wegen des realen Geschäfts, der Verzinsung und der Grundschulden oder Hypotheken. Aber irgendwann kann man das alles, gut sogar, im Schlaf sogar. Nein, nicht daß mich irgendjemand des Schlafes wegen entfernt hätte, Helke und ich wollten einfach aus dem Trott heraus und in unserem zarten Alter Neues kennenlernen, also auf nach Kanada. Da fing es dann mit der Computerei an, weil ich meinte, 2 x 2 sei 4, und das Ergebnis sei nicht interpretierbar wie in anderen Berufen geisteswissenschaftlicher Prägung.
Ein Glück, die EDV nach der Kanada-Zeit in Leonberg dann erfolgreich fortsetzen zu können. Dann kam nämlich Ecki in mein Büro. Eckehardt, frisch von der Uni. So richtig lecker was zum Einlernen. Und das haben wir dann auch gemacht. Das war 1972. Wenn ich morgens später kam und er sich wunderte, konnte ich schon stolz verkünden: Ich habe schon den Zaun in Iptingen gestrichen, schon vor Bürobeginn, und Ecki hat dann abends mit uns die Erde ums Haus geschaufelt.
Wenn man wissen möchte, was Nostalgie ist: Wir haben jetzt (heute am 24.9.94) Eckis gut erhaltene Schuhe aus jener Zeit im Auto, um sie anderen zukommen zu lassen, die sie noch gebrauchen können, wie z.B. bei der Friedlandhilfe, die dringend wieder Kleidung braucht, was Eva bestätigen wird; sie ist nach wie vor für die Vorsitzende der Stiftung tätig. Ecki, es ist die letzte Chance, Deine Schuhe zurückzubekommen, ein roter Pullover gehörte auch noch dazu, aber liegt noch in einem der unausgepckten Kartons, Du kennst das ja, Du hast den Umzug ja mitgemacht. Natürlich haben wir in der Leonberger Firma auch über berufliche Dinge gesprochen, über Chancen im Beruf, über die doofen Vorgesetzen, über Promotionschancen. Das hast Du alles hinter Dir, und ein Vorgesetzter bist Du auch. Punkt. Immerhin hast Du grundlegende Elemente der Datenverarbeitung von mir vermittelt bekommen, die Du nie vergessen wirst. Dafür hat man schließlich eine pädagogische Ader. (Ich weiß nicht, was es da zu lachen gibt!).
Zwischendurch haben wir Ecki monatelang vermißt, bis er als verlorener "Sohn" wieder auftauchte. Seine Erlebnisse haben wir streckenweise mitverfolgt. Und wer lebt, weiß, daß viel Zeit vergeht, in der vieles geschieht, was andere nicht wissen, die es aber gern wissen könnten, wenn man Zeit hätte, sie es wissen zu lassen.
Mit ihm jedenfalls kam Yvonne, ein erfreulicher Neuerwerb. Was so ein Krankenhaus alles zustandebringt. Da werden nicht nur Patienten zusammengeleimt. Dazu braucht man keine Chirurgen. Auch die Arbeit schafft das. Wir haben uns darüber gefreut, daß Du, lieber Ecki, die Pause zwischen unseren Treffen so gut genutzt hast. Und Du, liebe Yvonne, hast den Kreis noch erweitert durch Euer Söhnchen Raffael. Auch die Zeit habt Ihr gut genutzt. Und fast wäret Ihr noch hier in Hildesheim gelandet. So klein ist die Welt.
So, und jetzt kommt noch das Kapitel BOSCH von Helke. Das war ja nicht nur ihr Job. Das hat ja auch Auswirkungen auf den Partner. Siehe BOSCH-Orchester. Und Kollegen lernt man auch kennen, jaja Birgit, Kolleginnen auch. Euer Verhältnis ist durch so manche gemeinsame Erfahrung auf der Schillerhöhe geprägt worden. jahrelang; so konnte es eigentlich nicht ausbleiben, den Kontakt eher noch zu verstärken, als Du längst in Berlin warst. Und diese Kontaktverstärkung hat zusätzliche Rippen bekommen durch Frank. Wieder eine wundersame Sache, daß neue Verbindungen entstehen, wenn alte schwinden. Eure Hochzeit in Celle war ein erster Meilenstein unserer Freundschaft. Mögen den vergangenen noch viele weitere folgen. Die von Euch mitgepflanzten Balkonblumen waren dieses Jahr so prächtig, wie noch nie zuvor. Ein gutes Omen!
Bernd wird das bestätigen, denn er hat die Blumen dieses Jahr häufiger gesehen. Oder hast Du etwa gar nicht hingeguckt? Das wäre fast entschuldbar, denn meistens sind wir mit den Computern beschäftigt, weil wir beide davon leben und zum Glück Beruf und Privates miteinander so verbinden können, daß die gemeinsame Zeit Spaß macht. Auch unsere Freundschaft dauert nun schon viele Jahre an, mit vielen Erinnerungen, solchen und solchen. Und solche verbinden am stärksten. Und das Größte an der Gemeinsamkeit ist der Hund. Bingo, ein kleiner Rauhhaardackel mit einem Riesencharakter. Ein unübersehbarer Mittelpunkt. Bernd hat ihn heute nicht mitgebracht, weil der Abend sonst ausschließlich dem Hund gehört hätte. Die Strecke von Reutlingen nach Degernau ist auch mindestens 1,5 Stunden lang.
Aber Herr und Hund sind sehr beweglich. Eine Randlage, wie jetzt Degernau, hat nun einmal solche Entfernung Nachteile. Man kann eben nicht alles haben.
Euch alle aber heute Abend hier zu haben, ist ein großer Vorzug, und wir freuen uns an dieser Stelle noch einmal auf das Heftigste.